Wer sind Sie?

Herr Carl ist 73 Jahre alt und wohnt heute gemeinsam mit seiner Frau in Neuhäusel. Aufgewachsen ist er in Landau in der Pfalz, wo er auch seine Schulzeit verbrachte und später sein Lehramtsstudium abschloss. Für seine erste berufliche Station in Koblenz zog er zunächst nach Bendorf-Sayn. Im Jahr 1976 kam er gemeinsam mit seiner Frau erstmals nach Neuhäusel. Die ersten 15 Jahre lebte das Ehepaar dort zur Miete, bevor im Jahr 1991 ein neu gebautes Haus bezogen wurde.
Wo und wie wohnen Sie?
Heute bewohnen Herr Carl und seine Frau ihr Eigenheim zu zweit. Die beiden Kinder sind inzwischen ausgezogen. Das Haus wurde ursprünglich für einen Vier-Personen-Haushalt geplant und umfasst rund 190 Quadratmeter Wohnfläche.
Schon beim Bau wurde auf eine langlebige und ressourcenschonende Gestaltung geachtet. Dazu zählen unter anderem der Einsatz von Holz, ein geringer Versiegelungsgrad im Außenbereich, früh angelegte Grünstrukturen sowie ein Wintergarten.
Diese Grundausrichtung bildete die Basis dafür, das Gebäude über die Jahre Schritt für Schritt technisch weiterzuentwickeln und klimafreundlicher zu machen.
Was haben Sie an Ihrem Haus verändert, um es klimafreundlicher zu machen?
Zur klimafreundlichen Weiterentwicklung des Hauses gehören mehrere Maßnahmen. Bereits 1997 wurde eine erste Photovoltaikanlage installiert, die im Jahr 2025 modernisiert und auf rund 13 kWp erweitert wurde. Ergänzt wird sie durch einen Batteriespeicher mit 7,6 kWh Speicherkapazität. Im Jahr 2017 wurde das Haus zusätzlich nachträglich gedämmt.
Hinzu kommen ein früher genutzter Sonnenkollektor, die Nutzung von Regen- beziehungsweise Grauwasser für die Toilettenspülung, ein E-Auto mit Wallbox sowie eine Erdgasheizung in Kombination mit einer Brauchwasserwärmepumpe. Der Bau einer Heizungswärmepumpe ist in wenigen Jahren geplant. Auch bei seiner Tochter brachte Herr Carl seine Erfahrungen ein und unterstützte sie beim Bau eines der ersten Passivhäuser, das exemplarisch auf der Webseite der Energieagentur aufgeführt wird.
Die Maßnahmen zeigen, dass klimafreundliches Wohnen nicht zwingend durch eine einzelne große Veränderung entsteht, sondern durch viele aufeinander abgestimmte Entscheidungen über einen längeren Zeitraum.
Was hat Sie motiviert, diese Maßnahmen umzusetzen?
Motiviert haben Herrn Carl vor allem persönliche Erfahrungen, seine im Studium erworbenen Ansichten und eine grundsätzlich vorausschauende Perspektive auf Umwelt- und Energiefragen. Seit über 40 Jahren ist er Mitglied im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Herr Carl ist im Landesvorstand des BUND Rheinland-Pfalz tätig und leitet den Arbeitskreis Energie & Klimaschutz. Sowohl aus privater Initiative als auch gemeinsam mit dem BUND unterstützte er zudem die Umsetzung von insgesamt zwölf Photovoltaikanlagen.
Das Thema erneuerbare Energien und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen begleitet ihn daher bereits seit vielen Jahrzehnten. Für ihn waren die Maßnahmen am eigenen Haus nicht nur eine technische Entscheidung, sondern Ausdruck einer persönlichen Haltung.
Welchen Tipp haben Sie für andere Menschen?
„Warten sie nicht zu lange, sondern fangen sie einfach an. Natürlich kosten Maßnahmen am Haus zunächst Geld. Aber langfristig können solche Investitionen helfen, Energiekosten zu senken und unabhängiger zu werden. Man sollte deshalb nicht nur auf die kurzfristigen Ausgaben schauen. Gerade heute zeigt sich, dass es oft sinnvoll ist, etwas vorausschauender zu investieren – finanziell, praktisch und auch mit Blick auf die Umwelt. Man sieht aktuell, dass langfristige Investitionen und etwas mehr Geld auszugeben, durchaus positive Folgen haben können“, sagt Herr Carl schmunzelnd.


